Fantasy, Heldenkram, PC und Technik, Rollenspiele • 04.08.2008
Da isses nun: Drakensang
Nach langer Wartezeit ist nun endlich wieder ein Spiele-Titel für den PC aus dem DSA-Universum erschienen: Drakensang.
Und natürlich hat auch eine “Limited Collectors Edition” den Weg zu mir nach Hause geschafft
, über die ich hier in mehreren Teilen ein bisschen plaudern werde. BTW habe ich gerade mal zum Spaß die Preise gecheckt: die Limited Collectors Edition steht bei ebay als Auktion 3 Tage nach Release bei ~ 80,- € (Restlaufzeit ca. 4 Stunden, da tut sich noch was). Bei SofortKauf werden mindestens 99,- € und bis zu 120,- € fällig. Im Amazon Marketplace gibt´s das Ding momentan ab 110,- € ! Die Limited CE war ja quasi schon vor Release komplett vorbestellt (10.000 Stk), und die Normalversion scheint sich auch zu verkaufen wie geschnitten´Hartwurst! Herzlichen Glückwunsch, Anaconda / dtp / Radon Labs / Significant / Ulisses /Chromatrix / … . Nach langer Entwicklungszeit, viel Arbeit und einigem Risiko können jetzt die gummierten Zählfinger ausgepackt werden
.
Sehnsüchtig wurde also Freitags der Postbote erwartet- besser gesagt habe ich sehnsüchtig auf der Arbeit gesessen und habe meine Frau zu Hause auf den Postboten warten lassen (ääähm, Moment…?!?). Trotz gegenteiliger und eindeutiger Anweisungen (!) hat meine Frau dann doch für eine Viertelstunde das Haus verlassen, …, und tja, der Teufel ist ein Eichhörnchen. Ich hab´s dann Samstagmorgen abgeholt. Die wichtigen Sachen muss man eben doch doch selber machen…
.
Screenshots gibt´s jede Menge im Web (wahrscheinlich fast so viele wie Rezensionen oder Ersteindrücke
), deshalb habe ich erstmal an dieser Stelle darauf verzichtet. Vielleicht reiche ich noch welche nach. Vielleicht aber auch nicht.
Allgemein
Schicke Box- sieht aus wie ein dickes Buch, und macht sich in ihrer geprägten Drachenhauoptik ganz gut im Regal. Darin findet sich zum Einen natürlich das Spiel samt (gelungener) Anleitung und einem ca. DIN A 3 großen Sonderfertigkeitsbaum. Ausserdem noch eine kunstlederne (und bei mir gar nicht stinkende
) Karte Aventuriens, die Zinnminiatur eines Lindwurmtöters, den kompletten Spielesoundtrack auf CD und - last but not least - das Hörbuch “Der Scharlatan”. Auf einem gesonderten Zertifikat wird das Ganze ausserdem noch als Limited Collectors Edition mit Seriennummer (bei mir: 7564) ausgewiesen. Zusätzlich, obendrein und als Extra gibt´s sogar noch das DSA 4.1-Grundregelwerk als PDF-Datei. Gute Idee, wie ich finde. Vielleicht kann man so ja mal ein paar von den PC-Nerds zum P&P kriegen?! Aber auch für jemanden wie mich, der nur das “alte” 4.0 Grundregelwerk besitzt, ein nettes update. Gesamtpreis: 51,96 €, und damit meiner Meinung nach ein gutes Preis / Leistungsverhältnis!
Die nachfolgenden Einschätzungen und Meinungen basieren auf meinen bisherigen Erfahrungen mit dem Spiel. Bisher habe ich schätzungsweise 6-7 Stunden gespielt. Dabei habe ich die Charaktergenerierung hinter mich gebracht (in Anlehnung an meinen ersten DSA-Char habe ich einen Garether Krieger gewählt), habe den ersten Abschnitt “Avestreu” durch, und konnte mich auch bereits ein wenig in Ferdok umschauen.
Technik
Die Installation verlief bei mir vollkommen problemlos. Scheibe ´rein, Zielverzeichnis angeben und fettich. Vorbildlich. Und um mal ein bisschen vorzugreifen: laufen tut´s echt prima. Mein schon etwas betagter Rechner mit P4 3.0-Prozessor, 2 GB RAM und einer Radeon HD 3850 512 MB auf dem AGP(!)-Steckplatz lässt das Spiel ruckelfrei in 1.680 x 1.050 mit hohen Details laufen! Einzig die Schattendarstellung steht auf niedrig - stand aber von Anfang an dort, und ich hab´s so gelassen. Die Schatten sind aber da, werden ordentlich dargestellt und das reicht mir. Ich werd´ gelegentlich mal Testen, ob eine höhere Einstellung hier Performance-Probleme macht… . Später. Allzu viel kann man auch gar nicht einstellen: im wesentlichen beschränkt es sich auf die Einstellung der Monitorauflösung und den Grafikoptionen “Hoch”, “Mittel” und “Niedrig”. Für die Freaks vielleicht ein paar Optionen zu wenig - mir persönlich reicht das aber vollkommen.
Meiner Einschätzung nach wird das Teil auch unter den angegebenen Mindestvoraussetzungen (P4 2.4-Prozessor, XP SP2 / Vista, 1 GB RAM für XP / 2 GB RAM für Vista, GeForce 6600 GT o. glw.) “gut” laufen. Gefällt mir, denn meistens heisst “Mindestvoraussetzungen” soviel wie “Also, es startet, aber richtig zocken kann man so nicht”. Drakensang kann man damit aber ordentlich spielen. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt, allerdings gibt es keine expliziten DX 10-Effekte und auch keine direkte 2-Kern-Unterstützung. Doppelkerne sind aber prinzipiell vorteilhaft.
Grafik
Die Grafik gefällt mir ausgesprochen gut, und entspricht voll und ganz dem, was ich erwartet habe: eine stimmige und stimmungsvolle Umsetzung Aventuriens und seines Flairs. Drakensang ist kein Crysis und auch kein Oblivion! Die Charaktermodell wirken manchmal ein wenig “hölzern” - genau wie die Proportionen der meisten Damen in dem Spiel (die Amazone Rhulana in Unterwäsche erinnert mich doch ein wenig an Brigitte Nielsen…). Flora und Fauna sind detailreich und liebevoll gestaltet, und transportieren das Aventurien-Setting sehr schön.
Sound
Ein “Netter Soundtrack” unterstütz das Spielerlebnis, wobei “nett” soviel wie “schön, passend und unaufdringlich” heisst. In meiner begrenzten Spielzeit hatte ich zumindest (noch) nicht das Bedürfnis, die Musik abzuschalten
. Der Soundtrack (der ja bei der Ltd.CE als CD beiliegt) lässt sich sicherlich auch gut beim P&P zur Berieselung einsetzen. Kleiner Wermuthstropfen: in den Dialogen ist jeweils nur der erste Satz vertont worden. Das hätte für meinen Geschmack ruhig ein bisschen mehr sein dürfen. Beispielsweise hätte der erste Gesprächsdurchlauf komplett vertont sein können. Wiederholungen von Fragen, Antworten oder Gesprächen dürften dann ruhig als reiner Text ausgegeben werden. Ich kann aber gut damit leben (und spielen). Es sieht nur manchmal ein bisschen “komisch” aus, wenn es dem manchmal recht heftig gestikulierenden Gegenüber nach dem ersten Satz die Stimme verschlägt. Gut gefällt mir das “Mithören”: steht man nahe genug bei anderen Personen die sich unterhalten, kann man deren Gespräch mithören. Bisher handelt es sich dabei zwar nur um belangloses Zeug, aber der Stimmung ist es auf jeden Fall zuträglich.
Welt / Setting
Gut getroffen. So in etwa habe ich mir Aventurien vorgestellt, und ich finde es passend umgesetzt. Ich kann zwar verstehen, wenn es manchen Leuten ein wenig zu bunt und ein wenig zu “kuschelig” ist - aber Aventurien ist meist kein düsteres Grim´n Gritty-Setting, sondern hat eher etwas märchenhaftes. Sowohl das kleine Dörfchen Avestreu mit dem umliegenden Gebiet als auch die Stadt Ferdok wirken angemessen bevölkert, und bieten ausreichend Spielraum für Interaktion. Zwar kann man die meisten Häuser nicht betreten und richtige Gespräche sind auch nicht mit allen NPCs möglich - das ist aber auch gar nicht nötig! Ich persönlich möchte gar nicht mit jedem Alrik stundenlang quatschen und jedes Bauernhaus auf links drehen. Sowas wird mir schnell zu statisch, und ich bekomme das Gefühl, das Spiel “abarbeiten” zu müssen. Bei Drakensang hatte ich bisher auch ohne völlige Freiheit immer genug zu tun und hatte durch die schönen Quests immer das Gefühl an der Geschichte dran zu sein. Wo ich gerade bei den Quests bin: wirklich neu oder innovativ sind die Aufgaben auch in Drakensang nicht. Aber die Aufgaben sind sehr schön in die Story und auch in die Spielumgebung eingebunden, verschachteln sich teilweise und sind recht abwechslungsreich. Das Questlog ist immer gut mit anstehenden Aufträgen gefüllt, ohne das man den Überblick verliert. Macht alles einen sehr guten Eindruck.
Steuerung
Die Steuerung ist recht intuitiv: WSAD, Linksklick: Aktion, Rechtsklick: Kontextmenü, Rechtsklick+Maus: Kamera. Das war´s auch schon im groben. Natürlich gibt´s noch ein paar Feinheiten, aber man muss weder die Anleitung auswendig können, noch muss man sich ein paar Finger auf der Tastatur brechen, um seinen Recken anständig steuern zu können. Das Interface ist ebenfalls sehr gut gelungen. Ich habe mich eigentlich auf Anhieb darin zurecht gefunden. Im Spiel findet sich oben links die übliche Minimap (mit Tips, wo was zu finden ist). Unten links gibt es 4 Buttons zum Einstieg in das Charaktermenü, das Hauptmenü, das Questlog und XXXX. Rechts unten kan man die Bewegungsmodi (Laufen / Gehen/ Schleichen) direkt anwählen. Zwischen den Menübuttons auf der linken und den Bewegungsbuttons auf der rechten Seite füllt eine Quickslotleiste für den aktiven Charakter den Rest des unteren Bildschirmrandes. Eigentlich sogar 5 Leisten (mit jeweils 10 Slots), zwischen denen man hin- und herschalten kann. Hier kann man den ganzen Krempel aus dem Inventar und auch seine Sonderfertigkeiten prima organisieren und wiederfinden. Oben rechts auf dem Screen sind die Charakterportraits der Partymitglieder abgebildet; jeweils mit Statusbalken für Lebensenergie, Ausdauer und Astralenergie. So hat man während des Spiels alles wichtige direkt auf dem Schirm, ohne das es überladen wirkt, zuviel verdeckt wird, oder man 27 Anzeigen gleichzeitig im Auge behalten muss! Auch “offline” macht das Interface einen übersichtlichen und nachvollziehbaren Eindruck: es gibt oben sechs Reiter über die man Untermenüs anwählen kann, um seinen Charakter gebührend zu verwalten. Hier finden sich: das Inventar mit der obligatorischen Anziehpuppe und den Charaktergrundwerten, ein Talentbogen mit allen relevanten Werten und Steigerungsmöglichkeiten, ein eigener Bogen für die Kampftalente, eine Art “Techtree” mit den Sonderfertigkeiten für den Kampf, der Magiebogen mit den Zaubersprüchen, und zum guten Schluss das Rezeptbuch für alchimistische bzw. magische Rezepturen und Handwerkliche Anleitungen. Alles sehr übersichtlich und zum allergrössten Teil selbsterklärend. Viele Tooltips helfen hier, und spätestens nach einem kurzen Blick in das (wie gesagt: gute!) Anleitungsheft beantworten sich auch die letzten Fragen schnell.
Charaktere
Zu Beginn kann kman aus einem ganzen Sack voll Archetypen auswählen. Dazu nur soviel: für jeden ist was dabei! Den Archetyp kann man entweder vorgefertigt übernehmen, oder ihn im Expertenmodus noch ein wenig “tunen”. Optisch kann man seinem Helden leider nur über die Ausrüstung und Kleidung etwas Individualität verleihen - Einstellungsmöglichkeiten für Haare, Größe, Augen, Hautfarbe, … gibt es nicht. Macht aber nix, denn wie gesagt gibt es genug Auswahlmöglichkeiten. Grundwerte, Talente, Steigerungen und alles, was sonst noch Charakterrelevant, ist orientiert sich, - wie eigentlich das gesamte übrige Spiel auch - eng am originalen DSA-P&P-Vorbild (V 4.1). Es gibt einige Einschränkungen (bei den Rassen, Kulturen, Professionen Talenten, etc.) die aber für die PC-Umsetzung Sinn machen. Kurz gesagt: Man kann nicht alle Möglichkeiten aus dem P&P ausschöpfen, alles Wichtige ist aber da. Es ist DSA! Steigerungen der Charakterwerte sind unabhängig von der Stufe jederzeit möglich, wobei es allerdings Höchstgrenzen pro Stufe gibt. Jeder Charakter hat eine Art Grundausstattung an Fähigkeiten und Talenten, deren Erhöhung mit im Spiel erworbenen Steigerungspunkten bezahlt wird. Dabei gilt: je höher desto teurer (also Talent x von 1 auf 2 Steigern kostet weniger, als es von 5 auf 6 zu steigern). Die Fähigkeiten und Talente, die nicht im gewählten Helden-Grundpaket enthalten sind, kann man bei entsprechenden Lehrmeistern erlernen. Soweit ich das sehe kann prinzipiell Jeder Alles lernen. Einzige Ausnahme sind magische Fähigkeiten, die magisch begabten Charakteren vorbehalten bleiben. Beim Steigern und Lernen hat man also recht grosse Freiheiten, wobei mich persönlich aber das Gefühl beschleicht, ich könnte mich bei meinen Gefährten ganz bös´ verskillen. Man wird sehen… .
Zwischenfazit
Toll
! Die Technik ist einwandfrei,und ich habe bisher keine Bugs gefunden. Im Web wird zwar von dem ein oder anderen gemunkelt, aber im Großen und Ganzen ist das mal eine löbliche Ausnahme von der ansonsten so verbreiteten Taktik der Publisher, die Kundschaft einen Betatest am Vollpreistitel machen zu lassen! Grafik und Sound sind zwar keine absoluten technischen Highlights, aber tun genau das, was sie sollen: ein “rundes” Spielerlebnis bieten bzw. unterstützen. Aventurien und DSA insgesamt ist bei Drakensang mit viel Liebe zum Detail sowie Regel- und Settingkenntnis auf den PC umgesetzt worden. Das die Welt nicht vollkommen frei begehbar / nutzbar ist, ist für mich persönlich auch eher ein Pro als ein Contra: ich verzettel mich nicht stundenlang in irgendwelchem total belanglosen “Quatsch”, sondern habe immer das Gefühl, voran zu kommen. Für den Einen ist das Railroading pur, für mich gibt es neben der Strecke genug Schönes und Interessantes zu sehen!
Bisher bin ich rundum zufrieden und freue mich schon darauf, mich heute Abend weiter in Ferdok umsehen zu können!
Geschrieben von:
Präsi ... redet Tacheles:
Ich bin mit Baujahr 1970 gewissermassen der "alte Sack" des Teams. Da ich auf Grund meines Alters auch nicht mehr so recht belastbar bin, fallen meine Zuständigkeiten hier auch eher bescheiden aus: eigentlich hole ich nur die Getränke! ;-)
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