Rollenspiele • 05.02.2007

Handkanten-Masturbation…

Ok, zugegeben: ein etwas “reisserischer” Titel den ich da für die Schwert & Würfel-Ausgabe #11 gesetzt habe. Aber sowas bleibt halt kleben… :-)… .

Jetz ma im Ernst: mit der SuW - Ausgabe #11 beginnt also wieder ´ne neue Serie, nämlich die Systemvorstellungen. Wie bei den Workshops gibt es auch hier keine festen Sendetermine - vielmehr gehen die Systemvorstellungen unregelmässig online. Kurz, knackig und ohne viel “Ballast” werden hier in Zukunft also Rollenspielsysteme vorgestellt. Kurz und knackig, damit man sich in kürzester Zeit einen Überblick über ein System verschaffen kann. Ich glaube aber dennoch genug, um entscheiden zu können, ob man das entsprechende System interessant findet und man sich weitere Infos beschafft.

Den Anfang macht also “WUSHU” von Daniel Bayn. Die Punkte, die bei mir hängen geblieben sind:

- System zur Konfliktlösung
WUSHU bringt an sich lediglich einige wenige Regeln zur Charaktererschaffung (und auch ein bisschen -entwicklung) und vor allem aber Regeln zur Konfliktlösung mit. Im grossen und ganzen war´s das aber auch schon mit den Regeln. Hintergrundmaterial gibt es erstmal keins: WUSHU kommt ganz ohne ein eigenes Setting oder eine spezielle Hiontergrundwelt aus, und ist nahezu universell einsetzbar. Die Regeln funktionieren also sowohl in einer mittelalterlichen Welt, als auch in Sci-Fi, Steam- oder Cyberpunk. Man sollte allerdings einen gewissen Hang zur “Fiktion” haben, und sich auf actionlastiges Spiel einstellen. Leute, die gerne Simulationen spielen sollten lieber auf ein anderes System zurückgreifen.

- Mooks und Nemesis
Gibt es in jedem anderen System eigentlich auch, nur werden diese beiden Charaktergruppen in WUSHU von vorneherein als das bezeichnet, was sie sind: Mooks sind schlichtweg Kanonenfutter für die Spieler, mit Nemesis werden tragende Charaktere bezeichnet, die für die Spieler eine echte Herausforderung darstellen. Hier könnte man schonmal die erste Abgrenzung zu den meisten anderen Rollenspielsystemen sehen. Während andere Systeme meistens einen Reiz dadurch erzeugen, das die Spieler nicht unbedingt wissen, ob sie es mit einem potentiell wichtigen NSC oder nur mit einem “Alrik” zu tun haben, ist WUSHU da ganz offen, und bezeichnet von vorneherein die “Alriks” als Mooks und die wichtigen NSCs als Nemesis. An den Mooks können sich die Spieler nach Lust und Laune (und beinahe gefahrlos) austoben, während man die Nemesis als “Boss-Gegner” bezeichnen könnte.

- Belohnung für Action
WUSHU kommt mit einem Würfelsystem daher, das eine actionlastige und cinematische Beschreibung der Spieleraktionen fördert und belohnt. Kurz gesagt bekommt man für jede Aktion erstmal einen Standard-Würfel. Je abgefahrener der Spieler die Situation jetzt ausschmückt und je mehr Details er seiner Beschreibung hinzufügt, desto mehr Bonuswürfel darf er seinem Würfelwurf hinzufügen, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Ein Beispiel: der Spielercharakter hat einen Gegner gestellt, und es entbrennt ein waffenloser Kampf. Mit der Ansage “Ich trete zu” bekommt der Spieler lediglich seinen Standard-Würfel, und darf damit auf Erfolg würfeln. Mit der Ansage “Mit einem lauten Schrei springe ich in die Luft, und trete dem Gegner an die Schläfe” bekäme er, zusätzlich zum Standard-Würfel, noch einen Extra-Würfel. Dieser verdoppelt dann bereits die Erfolgsaussichten. Mit einer Beschriebung wie ” Mit einem lauten Schrei springe ich in die Luft, trete dem Gegner an die Schläfe, wobei er von der Wucht des Schlages durch das zersplitternde Fenster gestossen wird, und zwei Stockwerke tiefer krachend auf dem Dach des parkenden Taxis landet” könnte ihm der Spielleiter durchaus drei bis vier der Extrawürfel zugestehen… .

- Narrative Truth
Die “Narrative Truth” ist ein weiteres Merkmal, das ich persönlich z.B. alleine von WUSHU her kenne. Damit ist gemeint, das der Spieler nicht nur die Freiheit hat, seine Aktion entsprechend ausgeschmückt zu beschreiben, nein, er darf sogar die Auswirkungen beschreiben! Um bei dem Beispiel des letzten Absatzes zu bleiben: Wenn der Spieler das so beschreibt, dann IST der Gegner TATSÄCHLICH aus dem Fenster gestürzt und auf dem Taxi gelandet! Punkt. Das ist auch nicht das, was ausgewürfelt wird. Ausgewürfelt wird vielmehr, ob das, was der Spieler da beschrieben hat, eine entscheidende Auswirkung auf den Fortgang des Abenteuers hat. Das heißt, wenn die entsprechende Anzahl von Erfolgen erwürfelt wurde, dann ist der Gegner wohl nach dem Fenstersturz hinüber. Wenn allerdings keiner der Würfel einen Erfolg beschert hat, dann hat zwar der Fenstersturz stattgefunden - wahrscheinlich wird der Gegner sich aber unten vom Taxidach wälzen, die Scherben vom Pulli klopfen und den Aufzug zurück nach oben nehmen… .

Die Punktewertung, die im Podcast vorgenommen wird, ist natürlich sehr subjektiv - aber in meinen Augen durchaus passend. WUSHU ist also ein schnelles, schlankes und actionlastiges System, das sich besonders für One-Shot-Abende oder für Con-Runden eignet. Cinematische Action steht ganz klar im Vordergrund! Für ganze Kampagnen oder für Gruppen, die gerne das Innenleben ihrer Charaktere mit besonderer Tiefe ausspielen ist es meiner Meinung nach aber nicht das System der Wahl. Für Kampagnen finde ich es einfach zu actionlastig im Sinne von beschränkt, und für eine Charakterstudie gibt es regeltechnisch zu wenig her. Prinzipiell möglich ist beides aber natürlich trotzdem!

Auf den Seiten des Autors Daniel Bayn gibt´s noch jede Menge Info und auch Zusatzunterlagen für WUSHU. Die meisten Zusatzunterlagen sind allerdings kostenpflichtig (aber zu fairen Preisen). Die freie englische Version gibt´s auch bei Bayne unter WUSHU-Open.Die Deutsche Version kann man HIER als pdf herunterladen. Ausserdem gibt´s im GroFaFo ein eigenes WUSHU-Board. Und wer dann immer noch nicht genug hat, sollte sich mal auf den Seiten der WUSHU-Wiki (u.a. mit WUSHU-Open Reloaded) umschauen.

Also: Handkanten geschärft, und ran an den … wasauchimmer!

Have fun !

Geschrieben von:

Präsi ... redet Tacheles: Ich bin mit Baujahr 1970 gewissermassen der "alte Sack" des Teams. Da ich auf Grund meines Alters auch nicht mehr so recht belastbar bin, fallen meine Zuständigkeiten hier auch eher bescheiden aus: eigentlich hole ich nur die Getränke! ;-)
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