Rollenspiele • 15.01.2007
Hartwurst vs. Weichkäse
Direkt vorab: ich möchte hier niemanden persönlich abwatschen oder persönlich angreifen! Deshalb werde ich auch nicht zu einschlägigen Foren, Threads oder Blogs verlinken. Mir geht es um eine allgemeine Entwicklung, die mir persönlich einfach nicht gefällt, nämlich die Bildung bzw. Ausrufung einer Rollenspieler-Elite.
OK, Elite gibt es immer - egal um welches Thema es geht, immer und zu jeder Zeit und auch im Internet: es gibt immer Leute, die sich besser auskennen als andere, die sich mehr Gedanken machen als andere, die ihr Wissen besser ´rüberbringen und / oder umsetzen können als andere. Um die geht es auch nicht. Vielmehr sind mir in letzter Zeit vermehrt Leute bzw. deren Internet-Beiträge aufgefallen, die sich selbst zum Wahrer der Ordnung, dem Hort des Wissens oder dem Verteidiger der einzigen Wahrheit ausrufen. Ich habe sogar schon mal von einem “Leuchtturm des guten Geschmacks” gelesen… .
Die dürfen ja auch alle bewahren, horten, verteidigen und leuchten wie sie möchten - die Art und Weise ist es, die mich in letzter Zeit immer öfter stört: was nicht eingeordnet werden kann, bekommt die Existenzberechtigung abgesprochen - die Horte des Wissens werden eifersüchtigst bewacht, und bei der Verteidigung der Wahrheit scheint zu gelten “Angriff ist die beste Verteidigung!”. Und um ein einsames Berliner Arbeitszimmer zu erleuchten braucht man auch keine Flutlichtanlage - eine einzelne funktionierende Birne würde es auch tun!
Das man den eigenen Spielstil als “den Besten” empfindet (zumindest in der eigenen Runde) ist ja nicht ungewöhnlich bzw. nur eine logische Konsequenz - sonst würde man ja so nicht zocken. Aber darin liegt ja schon die erste Beschränkung: das gilt nur für die eigene Konstellation aus bestehender Spielrunde, verwendetem System, und den dort gängigen Vorlieben und Wünschen. Auch ein gewisses “Missionierungsbedürfnis” ist ja normal - schliesslich möchte man andere auch an seinen Erkenntnissen und Entwicklungen zur Verbesserung des Spiels teilhaben lassen. Immer häufiger stolpere ich jedoch über Threads und Blogeinträge, in denen die dort beheimateten Schreiber sich über das niedere Rollenspieler-Fussvolk erheben, und die Vertreter anderer Meinungen als “Looser, Idioten, bemitleidenswerte Kreaturen, Fanboy-Kroppzeug”, undwasweissichnochalles titulieren und abstempeln!
Hallo?!
“Rollenspiel” war zwar neben “Computer” schon immer DAS Nerd-Thema schlechthin, aber hier muss man wohl eher von Hardlinern als von Nerds sprechen! Schlimm finde ich einerseits, dass solche Meinungen überhaupt existieren - hatte ich als alter Kuschelrollenspieler doch immer eine so hohe Meinung von der toleranten RPG-Szene. Aber Meinungen darf ja schließlich jeder so viele haben wie er will. Und die darf und soll man ja auch veröffentlichen und vertreten. Aber für mich hört das eben da auf, wo man Anderen auf die Füße tritt! Nicht aus Versehen, sondern weil manche Leute einfach gerne Kollisionskurs fahren.
Andererseits glauben einige dieser Zeitgenossen scheinbar auch noch, sie würden damit auch noch was Gutes für ihr Hobby tun! DAS sehe ich auch ganz anders. Arroganz und Aggressivität hat noch nie geholfen, jemanden nachhaltig von etwas zu überzeugen oder die eigenen Argumente wirkungsvoll zu untermauern. Vielleicht effektvoll, aber nicht wirkungsvoll. Wer dem Rollenspiel was Gutes tun möchte und in Foren und Blogs Begriffe wie “Rollenspielfaschismus” kolportiert, handelt in meinen Augen kontraproduktiv! Auch was die eigene Meinung betrifft. Ich kann einiges vertragen - aber so etwas überschreitet meine Geschmacksgrenze (und nicht nur meine)!
Zum guten Schluss noch ´ne persönliche Zusammenstellung, damit die Elite gleich weiss, woran sie bei mir ist und sich keine Mühe mehr mit Herabsetzungen und Beleidigungen geben muss: Ich bin Gelegenheitsspieler, spiele DSA und bin weit eher Kuschelrollenspieler als Zankapfelwerfer. Ich mag Stimmungsrollenspiel und zähle - wenn´s sein muss - auch mal Hartwürste. Hartwurst hält sich ja bekanntlich länger als so mancher Käse!
Und ich kann auch als Fanboy eine Meinung haben!
Ehrlich
Geschrieben von:
Präsi ... redet Tacheles:
Ich bin mit Baujahr 1970 gewissermassen der "alte Sack" des Teams. Da ich auf Grund meines Alters auch nicht mehr so recht belastbar bin, fallen meine Zuständigkeiten hier auch eher bescheiden aus: eigentlich hole ich nur die Getränke! ;-)
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